Geburtserlebnisse aus unserem Geburtshaus
Traumgeburt in der AnderWelt nach Kaiserschnitt beim 1. Kind
Unsere Tochter Miriam wurde am 1. 11.2008 in der AnderWelt geboren. Ein wunderschönes und unvergessliches Geburtserlebnis- aber vor allem nicht einfach selbstverständlich. Viele Wochen lang habe ich überlegt, mir den Kopf zerbrochen, Sorgen gemacht, wie wohl alles werden wird, ob wir wohl das Richtige tun, ob die letztendliche Entscheidung, eine ambulante Geburt im Geburtshaus zu versuchen, nicht doch ein "Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-wollen" ist und und und? Schon kurz nach der Geburt war mir klar: Dies war und ist immer noch eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe!
Aber von vorne:
Unser 1. Kind kam per Kaiserschnitt auf die Welt. Wieso, weshalb? Das weiß ich eigentlich bis heute nicht so genau. Nur, dass ich damals völlig überrumpelt worden bin und meinen Empfinden nach keinem Arzt wirklich etwas daran gelegen hat, dass unser Sohn auf natürlichem Wege das Licht der Welt erblickt. Das Gefühl, dass der Kaiserschnitt nicht hätte sein müssen- zumindest nicht so, wie alles drumherum gelaufen ist lässt mich daher bis heute nicht los. Nun gut, unser Sohn kam gesund zur Welt und ist heute topfit. Die Narbe an meinem Bauch ist auch schnell verheilt und kaum noch zu sehen, die an der Seele jedoch ist geblieben?bis heute. Bei dem Gedanken an die Geburt unseres zweiten Kindes war mir eins klar: Auf gar keinen Fall wollte ich noch einmal ein solches "Hilflos-der-Krankenhausmaschinerie- ausgeliefert-sein-Gefühl" erleben.
In der AnderWelt traf ich auf Fachkräfte, die immer ein offenes Ohr für meine Ängste und Sorgen, aber auch für meine große Hoffnung auf eine Spontangeburt hatten. Nach mehreren sehr informativem und vor allem einfühlsamen Gesprächen mit den Hebammen des Geburtshaus war völlig klar: Ich will auf jeden Fall versuchen, spontan zu entbinden und die besten Chancen, wenn nicht sogar die Chance dazu habe ich genau hier im Geburtshaus.
Ich wusste, dass mich bei der Geburt eine mir bekannte Hebamme begleiten wird, die weiß, was ich mir für die Geburt wünsche bzw. was ich auf gar keinen Fall noch mal erleben möchte. Gleichzeitig war für beide Seiten völlig klar: Keiner will hier mit dem Kopf durch die Wand und etwas auf Biegen und Brechen durchziehen. Ich wusste, dass die Herztöne des Kindes auch ohne störende Kabel regelmäßig kontrolliert werden, das Krankenhaus in unmittelbarer Nähe liegt, mich im Fall des Falles "meine2 Hebamme dort hin begleiten wird und vertraute dem guten Gefühl, dass evtl. Komplikationen gerade durch die 1:1 Betreuung rechtzeitig erkannt werden können.
Mit diesem guten Gefühl habe ich dann letztendlich alles auf mich zukommen lassen. Als sich unsere kleine Maus dann endlich zu uns gesellen wollte, habe ich dank der persönlichen Betreuung durch Melanie (Hebamme) die ersten Wehen völlig entspannt (naja mehr oder weniger) in unseren eigenen vier Wänden veratmen können. Irgendwann sind wir dann ins Geburtshaus gefahren. Überall brannten Kerzen, es lief schöne Musik (von wegen, das interessiert einen unter Wehen nicht) und es wurde nur auf uns gewartet. Welches Krankenhaus kann das bieten?
Die Stunden gingen so dahin, ich veratmete fleißig, konnte mich bewegen, wie ich wollte und die Hebammen waren einfach da und hatten Zeit. Ja, die Geburt hat sich ein wenig hingezogen, aber es war überhaupt nicht schlimm. Ganz im Gegenteil. Ich war froh, etwas tun zu können und vor allem zu dürfen. Die ganze Zeit habe ich gedacht: "Die beiden sind jetzt nur für uns da und gehen erst, wenn das Kind da ist." Ich habe es so genossen, dass kein Arzt die Tür aufmachte und schon wieder zweifelnd nachfragte, ob es denn noch immer nicht weiter ginge. Die super entspannte und v.a. vertraute Atmosphäre ließ mich den Gedanken, dass ich evtl. ins Krankenhaus muss, irgendwann total vergessen. Ich fühlte mich einfach super gut aufgehoben und konnte mich so in vollem Vertrauen leiten lassen. Und irgendwann hielt ich unsere Tochter dann in meinen Armen, durfte sie ewig lange bestaunen, nackt auf meiner Brust genießen und sie durfte sich sofort stärken, als sie sich bemerkbar machte. So haben wir drei erstmal lange lange gekuschelt, abgenabelt wurde erst später ganz in Ruhe, Messen und Wiegen waren auch erstmal nicht so wichtig. Es war einfach alles so anders als bei der Geburt unseres 1. Kindes. Alles in allem: Ein wunderschönes und unvergessliches Geburtserlebnis in einer ganz besonderen Atmosphäre.
Nach einem ausgiebigen Frühstück (unser Sohn hatte sich inzwischen auch zu uns gesellt, um seine kleine Schwester zu begutachten) machten wir uns dann auf den Heimweg. Viele haben gesagt: "Da muss man ja gleich nach Hause gehen."Ich sage heute: "Es gibt nichts schöneres, als die Familie von Anfang an komplett und in den eigenen vier Wänden genießen zu können." Und abends schaute Melanie dann ja auch schon vorbei. Ein toller Nebeneffekt, der mir erst im Wochenbett bewusst wurde: Nach der Geburt von einer Hebamme betreut zu werden, die mich über viele "Wehenstunden" begleitet hat und die Geburt unserer Tochter miterlebt hat.
Ich bin so froh, dass ich mich trotz vieler ungläubiger Äußerungen, Ängste und "Warnungen" Anderer für eine Geburt im Geburtshaus entschieden habe. Ja, ich bin stolz darauf, auf mein Bauchgefühl und meine innere Stimme gehört zu haben. Dass ich unsere Tochter "normal" gebären- und auch wirklich gebären konnte und durfte, empfinde ich als großes Geschenk, für das ich sehr dankbar bin.
Liebes Anderwelt-Team, Danke dass ihr zusammen mit mir daran geglaubt habt, dass "es" klappen kann, mir Mut gemacht habt und mich vor, während und nach der Geburt unserer Tochter so toll begleitet und unterstützt habt. Auch wenn es nicht so gelaufen wäre, das gute Gefühl, eine Spontangeburt versucht zu haben, hätte mir keiner mehr nehmen können.
Ein großes Dankeschön gilt aber auch meinem Mann, der mich im gesamten Entscheidungsprozess voll unterstützt und die letztendliche Entscheidung für das Geburtshaus völlig gelassen mitgetragen hat.
Wir hoffen, mit unseren guten Erfahrungen anderen werdenden Eltern Mut zu machen, sich für eine Geburt im Geburtshaus zu entscheiden oder aus meiner persönlichen Sicht besser gesagt, es auf jeden Fall zu versuchen. Das monatliche "Frühstück für Alle" im Geburtshaus ist vielleicht eine gute Gelegenheit, ganz unverbindlich u.a. Mütter zu treffen, die ihre Kinder in der AnderWelt geboren haben
Immer noch ganz begeistert...
Stephanie
