Geburtserlebnisse aus unserem Geburtshaus
Erfahrungsbericht zur Geburt im Geburtshaus - Die Anderwelt
Als ich von einer Freundin 2007 hörte, dass im September in der Schalückstraße ein Geburtshaus eröffnet hat, dachte ich eigentlich sofort: "Das könnte für mich genau das Richtige sein, sollte ich noch einmal schwanger werde.." - Kurz darauf war ich tatsächlich mit meinem zweiten Kind schwanger. Meinen Sohn hatte ich 2003 in einer Privatklinik entbunden, vor allem, weil mehrere Bekannte mir davon vorgeschwärmt hatten.
Im Großen und Ganzen fühlte ich mich dort auch gut aufgehoben. Zweibettzimmer und vor allem das Essen waren super und man kam sich nicht unbedingt wie im Krankenhaus vor. Aber ehrlich gesagt, wäre ich am liebsten sofort mit meinem Mann wieder nach Hause gefahren, als er mein Zimmer am Abend nach der Geburt verlassen musste.
Beim ersten Kind überwiegte allerdings die Unsicherheit, und so ließ ich mich dann doch von meiner Mutter und dem Personal überreden, wenigstens ein paar Tage zu bleiben. Denn, wer weiß, wenn du Probleme mit dem Stillen bekommst oder das Baby schreit dauernd oder noch schlimmer, die postnatale Depression könnte hinzukommen! Hier kannst du dich so richtig verwöhnen lassen und überhaup... Bis auf den ersten Schrecken beim Anblick meines enorm gewachsenen Busens nach dem Milcheinschuss hatte ich allerdings nur mit dem Heimweh zu kämpfen. Zu Hause endlich angekommen fühlte ich mich gleich besser.
Für die Geburt meines zweiten Kindes waren mir vor allem zwei Dinge wichtig: So bald wie möglich wollte ich wieder in meine eigenen vier Wände zurückkehren und eine Hebamme bei der Geburt dabeihaben, die ich bereits kenne und die mir vertraut ist. Mit einer Hausgeburt konnte mein Mann sich nicht anfreunden. Da wäre noch die Möglichkeit einer ambulanten Geburt in einer Klinik geblieben, leider muss man in den Gütersloher Krankenhäusern mit der diensthabenden Hebamme vorlieb nehmen und kann nicht durch die betreuende begleitet werden.
Nach einem Telefonat mit Marina und einem Informationsabend im Geburtshaus Die Anderwelt wurden schließlich auch letzte Unsicherheiten beseitigt. Da das Krankenhaus nur ein paar Autominuten vom Geburtshaus entfernt liegt, machte ich mir auch keine Sorgen mehr über eventuell auftretende Komplikationen. Bei einem Notfall im Krankenhaus müsste ebenso zunächst der Arzt von der Hebamme verständigt werden.
Zeitlich gesehen macht es keinen Unterschied, wenn aus dem Geburtshaus angerufen und die Situation geschildert wird. Ich war mir jetzt ganz sicher - mein Kind sollte in der Anderwelt geboren werden! Bis dahin hatte ich noch Zeit, das Geburtshaus und die Hebammen näher kennenzulernen. Neben ausführlichen persönlichen Gesprächen besuchte ich dort einen Geburtsvorbereitungskurs und nahm ein paar Sitzungen für eine wohltuende Ohrakupressur war.
Der errechnete Geburtstermin war der 1. August 2008.
Meine Tochter kündigte sich dann am 12. August 2008 gegen 9.00 Uhr mit den ersten Wehen an. Ich hatte bereits ungeduldig darauf gewartet, schließlich war mein Sohn eine Woche vor Termin geboren worden. Dafür hatte die junge Dame es jetzt sehr eilig!
Nachdem ich mich noch kurz in die Badewanne gelegt hatte, brausten mein Mann und ich anderthalb Stunden später zum Geburtshaus und waren froh, dass wir es nicht weit hatten. Dort angekommen musste ich mich bereits stöhnend im Türrahmen festhalten. Trotzdem fühlte ich mich sofort wohl.
Vor dem Eingang brannte eine Laterne, die Räume, der Geruch und nicht zu vergessen die Hebammen waren mir bereits sehr vertraut und das gab mir Sicherheit und ein Gefühl von Geborgenheit. Nach heftigen und anstrengenden zwei Stunden war Greta dann schon um 12.47 Uhr da.
Anschließend gab es erst einmal ein gemeinsames Geburtstagsessen. Auch mein Sohn durfte kurz nach der Entbindung dabei sein, um seine kleine Schwester zu begrüßen. Nachmittags lagen wir bereits alle zusammen in unserem Bett und konnten unser Familienglück genießen.
Die betreuende Hebamme kam selbstverständlich regelmäßig vorbei, um nach der Kleinen und nach mir zu sehen. Im Bedarfsfall hätte ich sie jederzeit anrufen können. Diese Nachbetreuung erschien mir wesentlich intensiver und auch gewissenhafter, als ich es im Krankenhaus und nach der Entlassung erfahren hatte.
Rückblickend muss ich wirklich sagen, dass ich eine Geburt nie mehr anders als im Geburtshaus erleben möchte.
Eigentlich ist es schade, dass ich mich nicht schon beim ersten Mal für diese Möglichkeit entschieden habe.

