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1.8.2010 : 12:00 : +0200

Berichte

 

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Geburtserlebnisse aus unserem Geburtshaus

Ich glaub ich ruf mal unsere Arztin an..

... - das war der Satz, der an einem Freitagmorgen unser Leben auf den Kopf stellte. Die Ärztin bestätigte uns, was der Test schon angezeigt hatte: Wir sollten bald zu dritt des Weges gehen. Wir konnten es kaum glauben und unsere Freude war riesig!

Da wir für den Sommer eine 3-monatige berufliche Auszeit im Ausland geplant hatten, ging es relativ schnell ans Organisieren, denn man muss ja doch so allerhand bedenken und regeln, wenn bald ein kleiner Mensch bei einem einziehen will.

Außerdem musste ein Geburtsvorbereitungskurs her. Mein "Männe" wollte unbedingt einen für Paare besuchen. Selbstständig wie er ist, hat er bei der Hebammenzentrale angerufen und herausgefunden, dass in der Anderwelt Paarkurse angeboten werden und uns mal ganz spontan da angemeldet.

Geburtshaus? - Na gut, warum nicht...

Mitte August betraten wir dann zum ersten Mal die Anderwelt. Das Haus fanden wir auf Anhieb gemütlich und heimelig mit seinem schönen Holzfußboden und den liebevoll gestalteten Räumen. Der Kurs begann und wir lernten schon in diesem ersten Block einiges. Marina erzählte ganz viel über die Geburt: den Ablauf, die Betreuung und auch den Unterschied zwischen Klinik und Geburtshaus. Trotzdem wusste ich, dass ich beim ersten Kind in eine Klinik wollte, besonders für die ersten Tage nach der Geburt. Wenn man erstmal "weiß wie es geht", kann man das beim zweiten Kind dann ja anders machen, dachte ich. Wir hatten uns auch schon Kliniken angeguckt und "wussten" ja, was dort auf uns zukommen würde.

Michael war von dem Gedanken, in der Anderwelt zu entbinden, ganz angetan.

Nach dem zweiten Kurstag fand ich es zwar toll, die Hebamme besser zu kennen, aber die Unsicherheit, die ersten Tage sofort alleine zu Hause zu sein, blieb doch. Wobei das alles, was Marina uns zum Thema "Luxusgeburt" sagte, schon einleuchtend war. Auch, dass die Hebammen dann jeden Tag nach Hause kämen und man in den eigenen vier Wänden seine Ruhe hätte etc. leuchtet mir schon ein.

Der dritte Kursblock trug dazu bei, dass wir noch sicherer und vertrauter mit dem ganzen "Thema" Geburt, dem Haus und den Hebammen wurden.

In den folgenden Tagen redeten Michael und ich ganz viel miteinander über die bevorstehende Geburt. Er sagte, es sei meine Entscheidung, wo ich unser Kind zur Welt bringen wolle. Er fände das Geburtshaus als Ort richtig, aber ich müsse mich wohlfühlen, denn ich hätte die Arbeit.

Um noch mal einen Eindruck von der Geburt im Krankenhaus zu bekommen, fuhren wir noch einmal zu einem Infoabend dorthin - unser letzter Besuch war ja schon vier Monate her.

Dann hab ich mich noch mal mit Marina über die Geburt im Geburtshaus unterhalten.

Die Gedanken gingen immer hin und her. Doch schließlich stand die Entscheidung fest: Unser Mädchen sollte in der Anderwelt zur Welt kommen!

Am 14.10. war es dann so weit. Neun Tage vor Termin bin ich mit einem leichten Ziehen aufgewacht, morgens um 2:43 Uhr! Konnte aber wieder einschlafen. Bin dann wieder aufgewacht, habe noch Wäsche zusammengelegt, weil ich nicht glauben konnte, dass das schon Wehen sein sollten.

Um 5 Uhr wurde Michael wach und fragte, ob alles in Ordnung sein. Ich verneinte...

Er drängte dann drauf, dass wir Marina anrufen sollten. Ich dachte nur, so ein Quatsch, das geht gleich wieder vorbei. Aber Micha hat sich durchgesetzt und so stand Marina bald bei uns im Schlafzimmer. Das CTG zeigte leichte Wehen, der Muttermund war etwas geöffnet. "Na ja, vielleicht heute, sonst aber wahrscheinlich morgen." - War ihre Prognose.

Doch kaum war sie weg, so um 7.15 Uhr, ging es richtig los. In 5-Minuten-Abständen zog es und ich musste sehr viel atmen.

Um 8 Uhr riefen wir Marina wieder an: "Ok, dann auf in die Anderwelt!"

Es dauerte zwar trotzdem noch eine Stunde bis wir am Geburtshaus eintrafen, aber ich war dann doch froh, endlich da zu sein. Die in den Erfahrungsberichten oft gelesene "Kerze, die am Eingang leuchtet", war für uns auch schon angezündet worden.

Wir gingen rein und Marina begrüßte uns dann noch einmal. Wir waren alle der Meinung, dass das ja nun doch ein schnelleres Wiedersehen sei, als wir gedacht hätten.

Stephi, die eigentlich am 15.10. ihren Dienst antreten sollte, war auch da. So hatte ich sogar den Luxus, von zwei Hebammen durch die gesamte Geburt begleitet zu werden!

Wir gingen ins "Badezimmer", das verdunkelt und mit Kerzen beleuchtet war und ich ging schnell in die Wanne. Das war eine Wohltat! Ich war so fröstelig vor Aufregung und den Wehen etc., da tat das warme Wasser richtig gut.

Wir hatten eine CD mitgebracht, die gleich angemacht wurde. Und so ging die Geburt dann voran. Nach zwei Sunden war der Muttermund schon 4 cm auf. Leider wollte er nicht weiter, aber die Wehen kamen in kurzen Abständen und das Köpfchen drückte. Gut, dass Marina ihr "weißes Pülverchen"  parat hatte. So konnten die Wehenabstände verlängert werden und ich hatte Zeit, mich etwas zu entspannen. Das war auch gut so.

Durch einige Positionswechsel, zu denen ich durch Marina und Stephi immer wieder ermutigt wurde, ging es dann auch weiter.

Stephi und Michael hielten immer schön Händchen, wenn eine neue Wehe kam - und unsere Lütte war hartnäckig. Sie wollte unbedingt raus und drückte und drückte. Marina musste fleißig mit anfassen, damit das Köpfchen durch den Muttermund kam. Aber wir haben es irgendwie geschafft.

Trotz der ganzen Anstrengung waren die Herztöne bei der Kleinen immer gut. Braves Baby!

Um ca. 14 Uhr gingen dann die Presswehen los. Das Köpfchen hat es dann beim dritten Anlauf endlich geschafft, den Weg ins Freie zu finden. Jetzt noch eine kurze Drehung, damit auch die Schultern durch das Becken passen und dann, mit der nächsten Wehe um 14.33 Uhr, war unsere Lina endlich da! Ins Wasser gepurzelt.

Marina legte sie mir auf die Brust und zwei große Augen guckten mich an. Den Anblick werde ich nie vergessen!

Wir bekamen ein warmes Handtuch übergelegt und konnten uns anfreunden!

Irgendwann war dann die Plazenta da, der stolze Papa durfte die Nabelschnur durchschneiden und Lina sollte von nun an unser Leben auf den Kopf stellen!

Natürlich durften wir auch noch in das schöne große Bett, die erste Zeit zu dritt genießen. "Oma und Opa" haben wir angerufen, die ganz erschrocken waren, dass unser Baby schon den Weg gefunden hatte.

Irgendwann wurde Lina gemessen und gewogen und anschließend angezogen.

Wir hatten inzwischen alle mächtigen Hunger und so kochten Marina und Stephi leckere Spaghetti für uns alle.

Annalena, die ebenfalls am 15.10. in der Anderwelt gestartet ist, kam auch und feierte mit uns Linas Geburt.

Leider ging mein Kreislauf etwas in den Keller, so dass ich -auf der Erde liegend- mit Nudeln gefüttert wurde... Ebenso mit dem Kuchen zum Nachtisch! Marina hatte aber auch hier noch ein Pülverchen, das meinen Kreislauf anregte.

Wir blieben noch etwas länger in der Anderwelt bis ich wieder so auf den Beinen war, dass wir nach Hause fahren konnten. Unser Leben zu dritt hatte begonnen!

Trotz meiner anfänglichen Skepsis war es die allerbeste Entscheidung, unsere Tochter in der Anderwelt zur Welt zu bringen! Ich würde es jederzeit wieder tun!

DANKE, dass es Euch gibt!

07.01.2010 10:13 Alter: 205 Tage