Geburtserlebnisse aus unserem Geburtshaus
Robins Geburt in der Anderwelt
Unser zweiter Sohn Robin ist jetzt ein halbes Jahr alt und ich möchte nun endlich die Gelegenheit nutzen und von meinen Erfahrungen bei der Geburt im Geburtshaus die Anderwelt berichten. Unser erster Sohn ist vor zweieinhalb Jahren in einem ganz "normalen" Kreißsaal eines Kleinstadtkrankenhauses zur Welt gekommen.
Der Kreißsaal war funktional eingerichtet, die Hebamme nett, die begleitende Ärztin Vertrauen erweckend, kurz, es war, wie es wohl tausendfach in Krankenhäusern anzutreffen ist. Während der Wehen lag ich so auf meiner Pritsche, rechts Wehenschreiber, links Tropf, mein Mann an meiner Seite, die Hebamme guckte alle paar Minuten mal durch die Tür, draußen Gewitterleuchten und in meinem Körper dieser Schmerz, bei dem ich nicht wusste, wohin damit.
Die Wehen wurden stärker, die Abstände dazwischen immer kürzer, irgendwann ging eine in die andere über und nach einer Weile gab es nur noch den Ausweg PDA. Danach war für mich rein körperlich alles locker, aber der Kleine hatte Stress, die Herztöne waren schlecht und es endete mit einer Saugglockengeburt.
Bei der zweiten Geburt nun wollte ich nicht mehr einfach nur irgendwo rum liegen und darauf hoffen, dass alles gut geht und die Hebamme Zeit für mich hat und nicht noch eine andere Geburt parallel betreuen muss. Auch das Erlebnis mit PDA / Saugglocke wollte ich nicht noch mal. Und habe mich erinnert, dass es da ja das Geburtshaus die Anderwelt in Gütersloh gibt.
Nach einigem Zögern habe ich einfach mal angerufen und konnte auch kurzfristig zu einem Beratungstermin bei Marina vorbeikommen. Nachdem ich erstmal in dem Haus war, die Atmosphäre gespürt und mich ausführlich mit Marina unterhalten hatte, waren alle Zweifel schnell ausgeräumt und ich mir sicher, diesen Weg gehen zu wollen. Mein Mann war zwar zunächst skeptischer, aber letztendlich konnten die sachlichen Argumente auch ihn überzeugen.
Schön fand ich schon bei der Vorsorgebetreuung, dass diese bei mir zu Hause stattfand, ich nicht alle paar Wochen stundenlang in einem überfüllten Wartezimmer auf meinen Termin warten musste und Melanie als betreuende Hebamme sich viel mehr Zeit für mich nehmen konnte als meine Ärztin. Als die Wehen am 10.09. schließlich einsetzten, rief ich gegen 1:30 Uhr Marina an, und gegen 2:00 Uhr kamen wir ins Geburtshaus, wo vor der Tür schon eine Kerze in einer Laterne die baldige Ankunft eines neuen Erdenbürgers ankündigte. Marina empfing uns - obwohl mitten in der Nacht - sehr herzlich und nach einer kurzen Untersuchung fand ich mich in der Badewanne wieder, in der ich bei Musik, Kerzenschein und einem Glas Wasser erstmal ein paar Stunden liegen blieb.
Die Wehen kamen und gingen, alles war gedämpft und ruhig und so entspannt wie es eben möglich war. Marina war permanent an meiner Seite, war einfach nur da, verströmte Ruhe, Zuversicht und Vertrauen und unterstützte mich so, wie es für mich passend war. Als die Presswehen einsetzten wollte ich raus aus der Wanne, und die letzte Etappe der Geburt brachten wir auf dem - im Übrigen sehr bequemen - Bett hinter uns. Ich muss sagen, zu diesem Zeitpunkt hatte ich absolut keine Lust mehr, wollte nur noch, dass es endlich vorbei ist und auch in dieser Phase hat Marina mir durch ihre Art sehr geholfen durchzuhalten.
Schließlich war es geschafft, und Robin lag um kurz nach 6:00 Uhr auf meinem Bauch. Was für eine Erleichterung, was für eine Freude!! Nachdem ich ihn angelegt hatte, konnte ich mich erstmal ausruhen, während mein Mann den Kleinen wickelte und anzog. Nach ein paar ungestörten Minuten zu Dritt half mir Marina unter die Dusche, und anschließend setzten wir uns alle an den Frühstückstisch. Hier konnten wir uns in Ruhe stärken und nach einem sehr netten Start in den neuen Tag - bzw. in das neue Leben - machten wir uns zu Dritt auf den Weg nach Hause. Um 10:00 Uhr kamen wir dort an und legten uns erstmal ins Bett.
Am Nachmittag waren wir soweit wieder ausgeruht, dass wir den ersten Besuch empfangen konnten. Das war in unseren eigenen vier Wänden alles viel netter als im Krankenhaus und ich fand es schön, dass auch unser Erstgeborener von Anfang an dabei sein konnte. Ich fühlte mich zwar noch etwas geschafft, aber schon am nächsten Tag war die alte Energie wieder da. Ich weiß nicht genau, woran es gelegen hat, aber dieses Geburtserlebnis hat mir im Nachhinein viel Kraft gegeben, ich war geradezu euphorisch, weil ich erlebt habe, dass ich es schaffen kann, bis an meine Grenzen zu gehen und sogar darüber hinaus - ohne Hilfsmittel.
Ich kann jeder Frau nur wärmstens empfehlen, sich für die Anderwelt zu entscheiden. Wer sein Kind in einer liebevollen, ruhigen und privaten Atmosphäre zur Welt bringen möchte ist bei Marina und ihren Kolleginnen wunderbar aufgehoben!
DANKE für Eure Betreuung und ein Geburtserlebnis, das mir als überwältigendes Naturereignis positiv im Gedächtnis bleiben wird!

