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1.8.2010 : 11:52 : +0200

Berichte

 

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Geburtserlebnisse aus unserem Geburtshaus

Endlich ist der Bericht fertig!

Die Geburt unseres Sohnes Jakob ist zwar schon fast ein Jahr her, jedoch möchte ich auch meine Erfahrungen mit der Anderwelt zu Papier bringen.

Bereits im 4. Monat unterhielt ich mich mit einem Kollegen, dessen Frau auch in der Anderwelt entbinden wollte, über das Geburtshaus und fand den Gedanken daran, nicht in einem Krankenhaus unser Kind zur Welt zu bringen, sondern in entspannter Atmosphäre, sehr angenehm, stöberte sofort auf der Internetseite des Geburtshauses und fand dort den Hinweis zu dem Infoabend.

Anfang Juli standen mein Mann und ich das erste Mal vor dem Geburtshaus und nahmen an einem sehr interessanten Informationsabend, der von Marina geleitet wurde, teil. Wir wurden über die außerklinische Geburt sehr ausführlich informiert, viele Fragen wurden beantwortet und auch die Räumlichkeiten wurden von allen Teilnehmern besichtigt. Nach über 2 Stunden waren wir fertig und bereits im Auto waren mein Mann und ich uns einig, wo unser erstes Kind zur Welt kommen sollte: im Geburtshaus Anderwelt!

Wir meldeten uns zur Geburt an und bereits im Oktober übernahmen die Hebammen des Geburtshauses, Marina, Ulrike und Melanie, die Vorsorge, so dass wir uns alle besser kennenlernen konnten. Allein das Gefühl, beim CTG nicht beim Arzt, womöglich noch neben einer anderen Schwangeren zu liegen, sondern auf einem kuscheligen Bett, zugedeckt, versorgt mit Keksen und Tee, war toll, ich fühlte mich ernst genommen und konnte meine Fragen und Sorgen loswerden. Leider machte unser Sohn uns fast einen Strich durch die Rechnung, denn er wollte sich nicht drehen und lag bis zur 35. Woche in Beckenendlage. Zusammen mit den Hebammen wurden verschiedene Übungen ausprobiert, so dass er sich noch in die richtige Position dreht. Und siehe da, es funktionierte, Jakob lag endlich in Schädellage, so dass einer Geburt im Geburtshaus nichts mehr im Wege stand. Die Rufbereitschaft begann in der 37.Woche, unser Sohn lag richtig und eigentlich hätte er schon kommen können.

Doch er ließ sich wirklich Zeit. Der errechnete Termin 01. Januar verstrich ohne Wehen und von da an hieß es "CTG alle zwei Tage"! Am 1.Januar kam Ulrike nachmittags zu uns nach Hause, es wurde CTG geschrieben, doch Jakob zeigte sich von dem Damenbesuch noch sehr unbeeindruckt. Die Tage verstrichen und mein Mann und ich wurden immer nervöser, da überhaupt nichts passierte. Am 8. Januar ging der Schleimpfropf ab und auch die Wehen kamen nun regelmäßig. Wir nutzten nun endlich die Rufbereitschaft des Geburtshauses und Marina kam schon wenig später, um ein erstes CTG zu schreiben und den Muttermund zu untersuchen. Ein paar Wehen und der Muttermund komplett geschlossen. Wir vereinbarten, die Nacht abzuwarten. Die Wehen kamen und gingen, aber es wurde nicht wirklich schlimmer (dass es noch schmerzhafter werden kann, hab ich später noch germerkt!).

Die Nacht habe ich damit verbracht, die Abstände zwischen den Wehen zu zählen und kaum geschlafen. Der nächste Tag startete ohne Wehen, doch bereits abends ging das Spiel von vorne los. Melanie hatte Bereitschaft und kam zu uns nach Hause, doch das Ergebnis war: Wehen, aber der Muttermund komplett zu. Die folgende Nacht war geprägt von vielen Wehen und kaum Schlaf. Am dritten Tag des kleinen Wehenmarathons waren die Wehen permanent da.

Mit Marina, der bereitschaftshabenden Hebamme, verabredeten wir uns abends im Geburtshaus und wurden dort  bereits liebevoll empfangen. Nach einem CTG, das wieder ein paar Wehen zeigte, saßen wir noch gemeinsam in der Küche, aßen Kekse und tranken Kaffee und überlegten, wie es nun weiter gehen solle. Mittlerweile war es ca. 22 Uhr und die Wehen äußert schmerzhaft. Wir entschlossen uns, wieder nach Hause zu fahren, da sich der Muttermund immer noch nicht geöffnet hatte. Doch zuhause war aufgrund der Wehen nicht an Schlaf zu denken. Hinzu kamen starke Migränekopfschmerzen, so dass wir Sonntagmorgen um 3 Uhr Marina anriefen. Sie kam vorbei, schrieb erneut CTG und gemeinsam beschlossen wir, ins Krankenhaus zu fahren, denn es ging nicht weiter und auch die Kopfschmerzen waren unerträglich. Wir fuhren vor, Marina hinterher.

Im Krankenhaus wurden wir bereits erwartet und Marina blieb noch ca. eine Stunde bei uns, um die Übergabe an die dortige Hebamme zu machen. Im Krankenhaus wurde ich erstmal mit Schmerzmitteln versorgt und konnte endlich etwas Schlaf bekommen. Mein Mann durfte auch bleiben. Auch am Sonntag tat sich außer den starken Wehen nichts, so dass Montagmorgen mit der Einleitung begonnen wurde. Nach wehenreichen Stunden, einer PDA und verschiedenen Hebammen, die ich seit Sonntagmorgen kennengelernt hatte, kam am Montag, den 12.1.2009, um 23:08 Uhr mit 11 Tagen Verspätung endlich unser Sohn Jakob Levin zur Welt.

Zu Marina haben wir, während ich im Krankenhaus und auch im Kreißsaal lag, telefonisch Kontakt gehalten und sie über die nächsten Schritte informiert. Es war schön zu wissen, dass sie in Gedanken bei uns war. Bereits am nächsten Morgen haben wir das Krankenhaus verlassen. Zuhause fand die Nachsorge durch Marina statt, die uns in den ersten Tagen fast täglich besucht hat und uns so viel Angst in der ersten Zeit genommen hat. Die Gespräche waren für mich als Mutter und für uns als Eltern immer sehr hilfreich und aufbauend.

Eines steht für uns als Eltern jedoch fest: auch das zweite Kind soll im Geburtshaus zur Welt kommen, denn es ist für mich nach wie vor ein einzigartiger Ort für eine Geburt, in dem mein Kind zum ersten Mal das Licht der Welt erblickt und in Würde in Empfang genommen wird.

Danke, Marina, Ulrike und Melanie, für die Betreuung in den Wochen vor der Geburt und Marina für die Nachsorge.

14.02.2010 11:35 Alter: 168 Tage