Geburtserlebnisse aus unserem Geburtshaus
Ein Brief von Marietta
Liebe Marina!
Entschuldige, daß ich Dir so lange nicht geschrieben habe, aber ich mußte ja sooooo viel schlafen und futtern, inzwischen habe ich mein Gewicht verdoppelt. Mama sagt, ich soll Dir von meiner schönen Hausgeburt berichten.
Mama hatte meinen Bruder im Krankenhaus zur Welt gebracht, nun sollte ich zu Hause zur Welt kommen. Das hatte wohl viele Gründe. Mama und Papa haben sich gut informiert und schließlich weiß Mama ja, was sie will und was sie eben nicht will.
Als Mama merkte, daß es wohl losgehen wird (ich habe ein kleines Loch in die Fruchtblase gepopelt), hat Mama erst mal eine Flasche Sekt in den Kühlschrank gestellt. Mama sagte, daß sie es sehr erholsam fand, sich nun keine großen Gedanken machen zu müssen, wann sie in die Klinik fahren solle und ob sie mit der diensthabenden Hebamme wohl zurecht komme, ob der Arzt dort auch fit und nicht gestresst sei, die Badewanne evt. belegt sei und ob die Bettnachbarin vielleicht schnarche usw, usw, usw.
Mama hat einfach ohne Hetze den Haushalt weitergemacht und Dich dann am Nachmittag angerufen. Du bist wie abgemacht abends gegen halb elf gekommen. Mama war inzwischen noch viel mit mir spazieren; das tat uns beiden sehr gut!
Als Du kurz vor Mitternacht nach Hause gefahren bist, kamen langsam regelmäßige Wehen und Mama ist auf unserem großen Gymnastikball durch die Wohnung gehopst. Man, hat die mich durchgeschüttelt, aber es war sehr lustig! Nach drei Stunden hat sie Dich wieder angerufen und Du warst auch super schnell bei uns. Tja, und dann habe ich Euch allen einen schönen Streich gespielt:
Mama hatte für mein Kommen alles schön vorbereitet, so mit Musik und Kerzen usw. Ich sollte wie mein Bruder in der Badewanne auf die Welt kommen. Papa hat Dir noch geholfen, Gebärhocker, Taschen usw. in unsere Wohnung zu transportieren, aber da schob ich ein paar Preßwehen vor und Mama sprang plötzlich ganz schnell in die leere Badewanne. Papa drehte noch das Wasser auf, aber da hatte ich mein Köpfchen schon rausgestreckt. Du hast noch ganz cool zu meiner Mama gesagt, daß diese stehende Position ganz ungünstig zum Gebären sei, da hat sie sich hingehockt und schon war ich da ... .
Es war eine Badewannengeburt, aber keine Wassergeburt. Lustig, nicht wahr? Du warst gerade 15 Minuten bei uns und schon war ich da. Da habt Ihr vielleicht geguckt!!!! Ihr hattet gar keine Zeit noch die zweite Hebamme zu rufen. Ulrike kam aber auch noch, was ich echt nett fand. Mama und mir ging es so gut, was die Nachsorge zum Glück sehr begrenzte. Zusammen habt ihr mit Sekt und ich mit Mamas guter Milch angestoßen. Eigentlich wolltet Ihr ja zusammen frühstücken, aber das haben wir verschoben, weil wir noch ein bißchen den Nachtschlaf nachholen wollten.
Und mein Bruder ... der hat alles verpennt und mich erst am Morgen begrüßt.
In den nächsten Tagen hast Du mich so oft besucht, jetzt warst Du schon lange nicht mehr bei uns. Kommst Du mal wieder vorbei? Ich würde mich sehr freuen.
Mama und Papa sind sehr zufrieden mit der Hausgeburt. Mama sagt, sie würde das immer wieder machen, wenn es möglich ist und von medizinischer Seite nichts dagegen spricht. Es war so harmonisch und wir alle waren ein vertrautes Team. Zum Glück habe ich Euch mit meiner Ankunftsgeschwindigkeit überrascht, sonst wäre ja alles so ruhig und unspektakulär verlaufen.
Besonders lobenswert empfand meine Mama, dass ihre Wünsche zum Ablauf der Geburt von Dir sehr ernst genommen wurden und Du auch immer versucht hast, die Wünsche meiner Mama zu erfüllen. In welchem Krankenhaus findet man einen solchen Service?
Liebe Marina, ich danke Dir für alles und wünsche allen Müttern und Babys eine so schöne Geburt, wie ich sie hatte.
Deine Marietta

PS: Mama sagt, ich soll noch dazuschreiben, daß man(n) nach einer Hausgeburt nicht revonieren, nein, reinoveren oder wie dieses Wort jetzt heißt, muß. Väter interessiert das wohl sehr.


