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1.8.2010 : 12:00 : +0200

Berichte

 

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Geburtserlebnisse aus unserem Geburtshaus

Ambers Geburt

 

Alles fing damit an, dass unser Umzug von Thüringen nach Rheda-Wiedenbrück bevorstand und ich mir eine Hebamme suchen musste. Da wir ja noch nicht vor Ort waren, musste dies telefonisch geschehen und ich hatte Bedenken, dass ich keine so gute Hebamme finden würde, wie bei der Geburt meiner ersten Tochter. Gleich die erste Hebamme, die ich in Wiedenbrück anrief (Elke Freitag) war sehr nett, musste mir aber mitteilen, dass sie zur Zeit des errechneten Geburtstermins im Urlaub sei. Sie empfahl mir aber sogleich das Geburtshaus "Die Anderwelt" in Gütersloh, mit denen sie oft zusammenarbeitet. "Geburtshaus" ich wurde hellhörig. Schon bei meiner ersten Schwangerschaft habe ich das Buch "Die Hebammensprechstunde" von Ingeborg Stadelmann gelesen und war von der dort beschriebenen Geburt im Geburtshaus sehr angetan. Den Wunsch, nicht in einem Krankenhaus, sondern in einem Geburtshaus zu entbinden, hatte ich da schon.

Auch hatte ich die verrückte Idee, für die Geburt unserer ersten Tochter, nach Kempten zu fahren, aber bei der Entfernung natürlich vollkommen unmöglich.

Auf die Idee nach einem Geburtshaus zu suchen, bin ich gar nicht gekommen und ich war so dankbar für den Tipp dass ich mir sofort die Internetseite der Anderwelt angesehen habe.

Es hörte sich alles genau so an, wie ich es mir erhofft hatte und schon mein erster telefonischer Kontakt mit Marina war sehr herzlich und sie beantwortete geduldig meine Fragen. Marina sagte, ich solle mich dann einfach melden, wenn wir in Wiedenbrück angekommen sind.

Da meine erste Geburt fast zwei Jahre zurücklag und man doch vieles vergisst, habe ich mich dann auch noch für den nächsten Schwangerschaftsvorbereitungskurs angemeldet.

Diesen Kurs haben die Hebammen Ulrike und Eiyra im Wechsel geleitet. Die Gruppe war nicht sehr groß und obwohl ich dachte, ich wüsste schon alles, habe ich dort noch vieles mehr erfahren. Man sollte wirklich vor jeder Geburt einen solchen Kurs besuchen.

Marina lernten wir das erste Mal bei einem eingehenden Beratungsgespräch bei uns zu Hause kennen.

Als ich die Tür aufmachte, wurde ich gleich in die Arme genommen und gedrückt. Ich fühlte mich sofort innerlich gerührt von so viel Herzlichkeit, obwohl wir uns noch gar nicht kannten - aber irgendwie auch doch. Marina erklärte uns ausführlich wie der Bereitschaftsdienst aufgeteilt ist und wie die Geburt, auch wenn es Probleme gibt, abläuft. Wir konnten nach Lust und Laune Fragen stellen, die Marina gerne beantwortete und nach diesem Gespräch hatte ich das Gefühl, dass die Chemie zwischen mir und Marina stimmt und dass ich gerne mein Kind bei ihr zur (Ander-)Welt bringen möchte.

Ab der 37. SSW fing dann der Bereitschaftsdienst an. Endlich!!! Ich hatte immer Angst, dass das Baby früher kommen könnte, weil es ja das Zweite ist und lt. Frauenarzt der Muttermund schon leicht geöffnet war. Jetzt kamen die Hebammen der Anderwelt im Wechsel zu mir nach Hause, um mich zu untersuchen. Das war sehr angenehm, vor allem dann, wenn man bereits ein Kind zu Hause hat. Diese ewige Warterei beim Frauenarzt war echt nervig und langweilig für meine 2-jährige Tochter Caitlyn. So musste ich mir keinen Stress machen und alle Hebammen waren supernett.

Aber es sollte doch anders kommen. Der errechnete Geburtstermin verstrich und das Baby wollte nicht kommen. Jetzt war ich schon 7 Tage drüber und ich konnte mich kaum noch bewegen, meine Beine und Füße sind ab der 40 SSW immer dicker geworden und mir passten keine Schuhe mehr. Es war so tolles Wetter draußen, aber genießen konnte ich es nicht.

Dann endlich am Donnerstag, den 02.07.09 fühlte ich ein paar schwache Wehen. Ich rief Marina an und sie kam am Abend und schrieb ein CTG. Leider ließen die Wehen dann schon wieder nach. Marina meinte: "Es kommt bestimmt am Wochenende." In dieser Nacht passierte leider nichts mehr.

Am nächsten Tag war dann der übliche Vorsorgetermin und Marina kam gegen 20 Uhr vorbei. Ich hatte wieder den ganzen Tag ein Ziehen im Bauch, aber nicht sehr stark. Sie setzte mir ein paar Nadeln zur Wehenregulierung und gab mir noch ein Badeöl von Weleda, das ich am nächsten morgen mal machen sollte, falls heute Nacht nichts passierte.

Gegen 2  Uhr in der Nacht wurde ich dann von einer Wehe geweckt. Ich wartete ab, aber die zweite ließ etwas auf sich warten. Da meine Eltern auf unsere große Tochter aufpassen sollten und diese einen mindestens einstündigen Anfahrtsweg hatten, überlegte ich, ob ich anrufen soll oder nicht. Ich entschied mich zum Glück dafür, denn die Wehen wurden sehr schnell heftiger und kamen in immer kürzeren Abständen. Ich weckte meinen Mann und rief Marina an. Sie sagte, dass sie im Geburtshaus auf uns warten würde, wir sollten uns Zeit lassen. Aber Zeit blieb mir nicht mehr viel. Als meine Eltern endlich kamen, saß ich schon im Auto und war abfahrbereit. Die Wehen kamen fast jede Minute und ich hatte kaum noch eine Pause. Die Fahrt zur Anderwelt kam mir wie eine Ewigkeit vor, obwohl mein Mann sich nicht gerade an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hielt.

Um ca. 3.00 Uhr waren wir dann endlich da. Die Tür des Geburtshauses stand weit offen und Marina wartete schon auf uns. Sie nahm mich liebevoll in Empfang und half mir dabei, die nächste Wehe zu veratmen. "Ganz lange ausatmen, so lange Du kannst", sagte sie zu mir und ich gab mein Bestes. Sie brachte mich dann ins Badezimmer und dort war bereits alles vorbereitet. Das Badewasser war eingelassen, die Kerzen brannten  und hießen uns willkommen - unter anderen Umständen hätte ich gesagt, es war richtig romantisch!

Ich zog mich aus und ging schnell in die Badewanne. Es war angenehm warm und irgendwie entspannend und in der Rückenlage kontrollierte Marina den Muttermund. Er war bereits vollständig geöffnet und die Herztöne waren gut.

In der Rückenlage konnte ich es aber nicht lange aushalten. Also in den Vierfüßlerstand. Das war viel besser. Aber die Wehen kamen schlag auf schlag und ich hatte keine Pause. Marina gab mir etwas von ihrem "Zauberpulver" und schon wurden die Pausen zwischen den Wehen etwas länger. Welch eine Wohltat. Es dauerte nicht lange und dann platzte die Fruchtblase.  Dann endlich kam das Köpfchen. Ich konnte es sehen und wollte jetzt endlich alles so schnell wie möglich zu Ende bringen. Aber die nächste richtige Wehe ließ lange auf sich warten - so kam es mir zumindest vor - dann war es soweit und ein kleines Wesen glitt mit einer Wehe in die Badewanne. Es war ein überwältigendes Gefühl! Marina fragte mich, ob ich das Baby aus dem Wasser nehmen wolle, aber ich habe so gezittert und wusste irgendwie nicht, wie ich es machen sollte. Marina nahm das kleine Bündel und mein Mann half mir, mich wieder in die Rückenlage zu legen. Das Baby wurde mir auf den Bauch gelegt und dann wurden wir mit einem wassergetränkten Handtuch zugedeckt. Meine nächste Frage war: "Was ist es eigentlich geworden". Genau wie bei der Geburt unserer ersten Tochter, wollten wir uns überraschen lassen. Aber keiner von uns hatte so richtig darauf geachtet. "Ich glaube es ist ein Mädchen", sagten Marina und mein Mann. Ich tastete vorsichtig nach und richtig, es war ein Mädchen. Wir gaben ihr den Namen Amber Sophie. Sie hatte ganz viele schwarze Haare und war voll Käseschmiere. Es dauerte dann noch etwas bis die Plazenta kam. Aber diese Zeit in der warmen Badewanne war so unbeschreiblich schön. Unsere Tochter hatte Zeit anzukommen, ohne auch nur ein einziges Mal von mir getrennt zu werden. Danach wurde sie in ein Handtuch gewickelt und mein Mann und die Kleine machten es sich im Nebenzimmer auf dem riesigen Bett bequem. Marina half mir, mich kurz abzuduschen und etwas anzuziehen. Ich fühlte mich sehr wackelig auf den Beinen und mein Kreislauf war natürlich auch nicht der Beste. Dann durfte ich auch in dieses wundervolle Bett und Marina ließ uns erst einmal allein.

 Irgendwann kam sie wieder und untersuchte mich aber es war alles in Ordnung. Jetzt half Marina mir, Amber zum ersten Mal anzulegen. Da ich bereits Still-Erfahrung hatte, klappte es recht gut. Dann ging Marina noch mal weg, um Brötchen zu kaufen und alles für die Geburtstagsfeier vorzubereiten.

Als Marina wiederkam wurde unsere Kleine gewogen und gemessen. Sie wog tatsächlich 4630 g und war 56 cm groß. Damit hatte ich nicht gerechnet und Anziehsachen eingepackt, die bereits etwas zu klein waren. Wir mussten alle lachen, aber wir schafften es doch, sie irgendwie in die Sachen zu stopfen. Dann gingen wir nach oben in die Küche, wo ein herrlich gedeckter Frühstückstisch auf uns wartete. Marina beglückwünschte uns noch Mal und wir stießen mit einem Glas Sekt an. Amber schlief in meinen Armen ein.

Gegen 09.00 Uhr verließen wir die Anderwelt und fuhren nach Hause. Marina kam dann noch am gleichen Tag, um nach dem Rechten zu sehen und auch in den nachfolgenden Wochen stand Marina uns immer zur Verfügung, Anfangs täglich und dann wurden die Abstände etwas länger. Es war eine schöne Zeit und eine tolle Betreuung.

Wir möchten DANKE sagen für ALLES! Die Geburt war so, wie jede Frau sie erleben sollte. Ich hoffe, dass noch viele Frauen bei Euch entbinden und dass erleben dürfen, was ich erleben durfte. Macht weiter so!

 Colin, Melanie, Caitlyn und Amber

14.11.2009 18:13 Alter: 260 Tage